Rubrik im PS: | Geisteswissenschaften / Gesellschaftswissenschaften / Politikwissenschaften / Bildungswissenschaften |
Visits: | 180.382.274 |
Reichweite: | 6.012.742 |
Männer machen den Haushalt meist »gemeinsam« mit ihrer Partnerin – meinen die Männer
Zwei von drei Männern denken einer Studie zufolge, dass sie Aufgaben zu Hause fair aufteilen. Bloß sagt mehr als die Hälfte aller Frauen: Das meiste bleibe an ihnen hängen. Wer hat recht?
Die meisten Männer gehen zwar davon aus, dass Arbeit im Haushalt zwischen ihnen und ihrer Partnerin weitgehend gleich aufgeteilt ist, doch mit dieser Einschätzung liegen sie wohl oft falsch. Dazu kommt eine repräsentative Onlinebefragung heterosexueller Menschen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Studie erfasst nicht nur die wahrgenommene Zuständigkeit, sondern vergleicht sie auch mit dem tatsächlichen Zeitaufwand für Hausarbeit.
So gaben mehr als zwei Drittel der befragten Männer (68 Prozent) an, dass sie und ihre Partnerin für Aufgaben im Haushalt »gemeinsam« oder »meistens gemeinsam« zuständig seien. Die befragten Frauen sehen das offensichtlich anders: 44 Prozent meinen, dass die Aufgaben in ihrer Partnerschaft gleich verteilt sind. Mehr als die Hälfte aller Frauen (54 Prozent) gab an, dass sie »meist« oder »immer« für Dinge im Haushalt zuständig seien – während nur knapp 22 Prozent der Männer angaben, dass zumeist ihre Partnerinnen zuständig seien.
Selbst wenn beide, Mann und Frau, in Vollzeit arbeiten, bestehen der Befragung zufolge ähnlich starke Geschlechterunterschiede bei der Frage: Wer ist zuständig für den Haushalt – die Partnerin oder der Partner oder beide gleichermaßen?
Die Studie erhob nicht nur die wahrgenommene Zuständigkeit für den Haushalt, die Befragten sollten auch ihren Zeitaufwand für Jobs im Haushalt und Kinderbetreuung beziffern.
Selbst unter den Befragten, die meinten, sich »gemeinsam« um den Haushalt zu kümmern, unterschieden sich die Geschlechter deutlich: Während Männer aus dieser Gruppe angaben, im Schnitt 6,7 Stunden pro Woche mit Haushaltsaufgaben beschäftigt zu sein, gaben Frauen aus dieser Gruppe fast vier Stunden mehr pro Woche an (10,6 Stunden).
Und auch dann, wenn die Verantwortung für Kinder in einem Haushalt als weitgehend gleich verteilt eingeschätzt wird, geben Mütter einen im Schnitt deutlich größeren Zeitaufwand für Betreuung und Erziehung an als Väter (27,5 gegenüber 17,5 Stunden pro Woche).
So überrascht es wohl wenig, dass Frauen insgesamt unzufriedener damit sind, wie die Erwerbs-, Haushalts- und Sorgearbeit in ihrer Partnerschaft aufgeteilt ist: Auf einer Zufriedenheitsskala von 0 bis 10 erreichten Frauen 6,8 Punkte, Männer hingegen im Schnitt 7,7 Punkte.
Alte Rollen prägen noch immer Familie und Beruf
Die Verantwortlichen der Bertelsmann-Studie schlussfolgern, dass »traditionelle Familien- und Rollenmuster« nach wie vor bestimmen, wer in einer Beziehung mehr Verantwortung in den einzelnen Bereichen übernehme. Dies gelte meist auch dann noch, wenn beide erwerbstätig sind.
Die Studienverantwortlichen fassen ihre Ergebnisse so zusammen: Männer neigten dazu, die Aufgabenverteilung innerhalb einer Partnerschaft als »deutlich gleichverteilter zu sehen als Frauen«, Frauen hingegen schätzten ihren Anteil wesentlich höher ein.
Bloß, wer von beiden überschätzt sich nun? Auch darauf geben die Forschenden eine Antwort: Dies sei zwar nicht abschließend festzustellen – aber die Angaben zum wöchentlichen Zeitaufwand deuteten darauf hin, »dass es eher die Männer sind, die ihre Beteiligung überschätzen«.
Für die Studie wurden mehr als 1600 Personen im erwerbsfähigen Alter von 18 bis 65 Jahren befragt, die zum Zeitpunkt der Befragung in einer heterosexuellen Beziehung lebten. Unter den Befragten waren 425 Paare.